Der Kamin wurde gereinigt, die Saison ist längst vorbei – und trotzdem zieht immer wieder dieser unangenehme Geruch durch den Raum. Im Sommer fällt er besonders auf, weil das Haus geschlossen ist, die Luft warm und stickig bleibt und kein Feuer die Situation überlagert. Viele tippen dann als Erstes auf mangelnde Reinigung. Dabei ist das nur selten die eigentliche Ursache.
Was im Sommer passiert, hat viel mit Physik zu tun – und wenig damit, ob der Kamin sauber ist oder nicht.
Warum der Sommer das Problem erst sichtbar macht
Wenn kein Feuer brennt, herrscht im Schornstein kein aktiver Zug. Die Luft steht. An warmen Tagen heizt sich der Schornstein von außen auf, die Luft darin erwärmt sich und sucht einen Weg nach unten – direkt in den Wohnraum. Diese Umkehrung des normalen Zugverhaltens nennt sich Rückluftstrom, und er trägt alles mit, was sich im Schornstein und im Feuerraum befindet: Rußpartikel, Aschestaubreste, gebundene Verbrennungsrückstände aus dem Winter.
Je wärmer der Sommer, desto stärker kann dieser Effekt ausfallen. Südseitige Gebäude sind besonders betroffen.
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Reinigung löst das Problem oft nicht vollständig
Das ist der Punkt, den viele unterschätzen: Eine Reinigung entfernt den sichtbaren Ruß und die grobe Asche. Sie beseitigt aber nicht zwingend die Ablagerungen tief im Schornsteinzug oder an schwer zugänglichen Stellen des Feuerraums. Gerade ältere Kamine haben im Inneren raue Stellen, an denen sich über Jahre Rückstände aufgebaut haben, die beim normalen Reinigen nicht erreicht werden.
Auch eine vollständige Reinigung des Feuerraums hilft wenig, wenn die Geruchsquelle im Schornstein selbst liegt.
Ein weiterer Aspekt: Wenn nach der Reinigung keine Restfeuchtigkeit aus dem Inneren entweichen kann – etwa weil der Kamin gut abgedichtet oder die Klappe dauerhaft geschlossen bleibt – bildet sich im Inneren ein Mikroklima. Das begünstigt nicht nur Gerüche, sondern auch Feuchteschäden über Zeit.
Asche als unterschätzter Geruchsspeicher
Selbst geringe Aschereste, die nach der Reinigung zurückbleiben, können über Monate hinweg Gerüche abgeben. Asche ist hygroskopisch – sie nimmt Luftfeuchtigkeit auf und gibt dabei gebundene Geruchsmoleküle wieder frei. Im Sommer, wenn die Luftfeuchtigkeit steigt, passiert genau das.
Wer den Kamin richtig reinigt und dabei auch den Aschebereich vollständig leert, reduziert diesen Effekt erheblich. Trotzdem bleibt ein Restrisiko, wenn der Feuerraum anschließend feucht wird.
Was wirklich hilft
Der erste Schritt ist eine gründliche Kontrolle: Ist tatsächlich alle Asche entfernt? Gibt es sichtbare Feuchtigkeit im Feuerraum oder an der Klappe? Wie ist der Zustand der Dichtung?
Wenn die Klappe nicht vollständig schließt, entweicht im Sommer kontinuierlich Luft aus dem Schornstein – mit allem, was daran hängt. Eine undichte Klappe oder ein verschlissenes Dichtband kann genug sein, um den Raum dauerhaft mit einem feinen Rauchgeruch zu belasten.
Ein Geruchsabsorber auf Aktivkohlebasis im Wohnbereich kann in dieser Situation kurzfristig helfen, die Geruchsbelastung zu senken – behebt aber nicht die Ursache.
Die eigentliche Lösung liegt fast immer im Schornstein selbst: Rückluftstrom, Ablagerungen im Zug oder eine undichte Klappe. Wer im Herbst wieder problemlos heizen möchte, tut gut daran, diese Punkte noch im Sommer zu überprüfen – und nicht erst, wenn der erste Frost kommt.

Thomas Bergkamp ist gelernter Ofenbauer und schreibt auf kamin-riecht.de darüber, wie man Rauch- und Geruchsprobleme am Kamin selbst einordnen und gezielt beheben kann.