Schornstein riecht durch die Wand – wie kommt das?

Es ist eine Situation, die vor allem in älteren Häusern und Mehrfamilienhäusern vorkommt: Man riecht Rauch oder einen rauchigen Schornsteingeruch – aber der eigene Kamin ist gar nicht in Betrieb. Der Geruch kommt aus der Wand. Oder aus einer Ecke des Zimmers, in der irgendwo hinter dem Putz ein alter Schornstein verläuft.

Das ist keine Einbildung. Und es ist auch kein seltenes Phänomen. Es hat konkrete bauliche Ursachen – und die lassen sich meistens einordnen, wenn man weiß, wonach man sucht.

Wie Geruch durch Mauerwerk gelangt

Ein gemäuerter Schornstein ist kein vollständig dichtes System. Das Mauerwerk hat Poren, Fugen, möglicherweise kleine Risse. Solange der Schornstein in Betrieb ist und einen stabilen Zug erzeugt, werden Gerüche zuverlässig nach oben abgeführt. Der Unterdruck im Schornstein sorgt dafür, dass nichts seitlich austritt.

Wenn der Zug fehlt – weil der Schornstein kalt ist, weil er nicht mehr genutzt wird, oder weil er undicht ist – gibt es keinen Unterdruck mehr. Gerüche, die sich im Schornstein befinden, können dann langsam durch das Mauerwerk diffundieren. Nicht als sichtbarer Rauch, sondern als Geruch, der sich durch poröses Mauerwerk oder undichte Stellen einen Weg nach außen sucht.

Das passiert besonders dann, wenn der Schornstein Ablagerungen enthält, die selbst Gerüche abgeben – altes Teer, Ruß, angesammeltes Kondensat aus Jahren des Betriebs.

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Alte Schornsteine in Bestandsgebäuden

In Häusern, die vor 1970 oder 1980 gebaut wurden, verlaufen oft mehrere Schornsteinzüge durch das Mauerwerk – manche davon seit Jahrzehnten nicht mehr genutzt, manche nur noch selten in Betrieb. Diese alten Züge sind innen oft stark mit Ablagerungen belegt.

Wenn ein solcher Schornstein im Winter von einem Nachbarn im selben Haus oder im Nachbargebäude genutzt wird, erwärmt sich das Mauerwerk rund um den Zug. Das aktiviert die Ablagerungen – und Gerüche können durch Risse, poröse Stellen oder schlecht verputzte Bereiche nach außen dringen, also in Räume, die gar keinen direkten Zugang zum Schornstein haben.

Das erklärt ein Phänomen, das viele als rätselhaft empfinden: Man riecht Rauch, aber keiner im Haus heizt gerade. Oder man riecht es nur in einem bestimmten Zimmer, obwohl der Kamin ganz woanders ist.

Feuchtigkeit als Verstärker

Feuchtes Mauerwerk leitet Gerüche besser als trockenes. In Kellern, in schlecht belüfteten Altbauwänden oder nach Feuchtigkeitseinbrüchen kann der Schornsteingeruch deutlich intensiver durch die Wand dringen als in einem trockenen Neubau.

Kondensatbildung im Schornstein selbst trägt dazu bei: Wenn warme Verbrennungsgase auf kalte Schornsteinwände treffen, entsteht Kondensat, das sich in die Poren des Mauerwerks zieht. Dieses feuchte Gemisch aus Wasser und Verbrennungsrückständen ist eine dauerhafte Geruchsquelle – und trocknet nicht einfach so aus.

Wenn der Geruch aus der Nachbarwohnung kommt

In Mehrfamilienhäusern ist die Situation oft noch komplexer. Verschiedene Wohneinheiten sind an denselben Schornstein angeschlossen, oder die Schornsteine verlaufen nebeneinander durch die Hauswand. Wenn ein Nachbar heizt und der Schornstein nicht perfekt zieht oder undicht ist, kann der Geruch in andere Wohnungen diffundieren.

Das ist eine Situation, die viele aus eigener Erfahrung kennen: Der Kamin des Nachbarn verbreitet Geruch in der eigenen Wohnung – ohne dass man selbst irgendetwas dafür kann. Die Ursache liegt dann nicht im eigenen Ofen, sondern in der gemeinsamen Bausubstanz.

Was man selbst tun kann

Die Möglichkeiten hängen stark davon ab, ob es sich um den eigenen Schornstein handelt oder um einen fremden, der durch die Hauswand verläuft.

Beim eigenen Schornstein hilft eine gründliche Reinigung, die Ablagerungen als Geruchsquellen reduziert. Risse oder undichte Stellen im Mauerwerk können mit geeignetem Fugenmaterial abgedichtet werden. Wenn der Schornstein dauerhaft stillgelegt ist, empfiehlt sich eine professionelle Verfüllung oder zumindest ein sauberer Verschluss oben und unten, damit keine Luft mehr zirkulieren und Gerüche transportieren kann.

Wenn der Geruch aus dem Mauerwerk eines fremden oder gemeinschaftlich genutzten Schornsteins kommt, ist die eigene Handlungsmöglichkeit begrenzt. In solchen Situationen kann ein Geruchsabsorber auf Aktivkohlebasis im betroffenen Zimmer zumindest die Wahrnehmung im Alltag deutlich verbessern, auch wenn er die bauliche Ursache nicht behebt.

Der Schornsteingeruch durch die Wand ist ein Problem der Bausubstanz – nicht des Verhaltens. Das macht ihn hartnäckiger als andere Geruchsprobleme rund um den Kamin. Aber er ist selten ohne Erklärung, und wer die Ursache kennt, kann zumindest gezielt damit umgehen.