Wer einen Kachelofen hat, kennt das oft schon lange: Der Ofen gehört einfach zum Haus. Manchmal seit Jahrzehnten. Und irgendwann fängt er an zu riechen – nicht dramatisch, aber irgendwie anders als sonst. Komisch eben.
Das Problem dabei ist, dass Kachelöfen in der Suche häufig mit Kaminöfen gleichgesetzt werden. Viele Tipps und Artikel beziehen sich auf moderne Kaminöfen aus Stahl oder Gusseisen – ein Kachelofen funktioniert aber anders, wird anders betrieben und hat auch ein anderes Geruchsprofil.
Warum ein Kachelofen anders riecht als ein Kaminofen
Ein Kachelofen speichert Wärme. Das ist sein eigentlicher Vorteil: Er wird einmal ordentlich befeuert, die Kachelmasse nimmt die Hitze auf und gibt sie stundenlang gleichmäßig ab. Genau diese Speichermasse ist aber auch der Grund, warum Gerüche anders entstehen und anders wahrgenommen werden als bei einem schnell aufheizenden Stahlofen.
Die Oberfläche eines Kachelofens – also die Kacheln selbst, der Lehm darunter, die Fugen – kann Gerüche aufnehmen und bei Erwärmung wieder abgeben. Das passiert schleichend und fällt oft erst auf, wenn der Ofen nach einer Pause wieder angeheizt wird.
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Die häufigsten Ursachen
Staub auf den Kacheln
Das klingt banal, ist aber wirklich die häufigste Ursache. Kachelöfen stehen monatelang im Sommer still. Staub setzt sich auf den Kacheln ab, sammelt sich in den Fugen, und wenn der Ofen im Herbst das erste Mal wieder warm wird, verbrennt dieser Staub – und riecht dabei. Nicht gefährlich, aber unangenehm. Ein einfaches Abwischen der Oberfläche vor dem ersten Heizen hilft.
Feuchte Fugen oder Risse im Lehm
Kachelöfen bestehen innen aus Lehm oder Schamotte. Beides kann mit der Zeit feucht werden – durch Kondensat, durch Undichtigkeiten im Schornstein oder einfach durch die Luftfeuchtigkeit eines selten genutzten Raums. Wenn feuchte Stellen langsam trocknen während der Ofen heizt, entsteht ein muffiger, leicht erdiger Geruch. Das ist kein Defekt per se, aber ein Hinweis, dass der Ofen schon länger nicht mehr richtig warm geworden ist.
Alte Dichtungen oder ausgebrannte Fugenmasse
An den Stellen, wo Tür, Reinigungsöffnung oder Aschekasten eingebaut sind, gibt es Dichtungen. Diese sind bei alten Kachelöfen häufig aus organischen Materialien gefertigt – und die zerbröseln irgendwann. Wenn Luft an unerwünschten Stellen ein- oder austritt, verändert das den Zug und kann dazu führen, dass Gerüche in den Raum gelangen, die sonst durch den Schornstein abziehen würden.
Gerüche aus dem Schornstein
Manchmal liegt das Problem gar nicht im Ofen selbst. Der Schornstein eines Kachelofens ist oft alt, manchmal gemauert, manchmal mit einer alten Innenverkleidung versehen. Wenn der Zug nicht optimal ist oder der Schornstein selbst feucht ist, können Gerüche zurückschlagen – also nicht nach oben abziehen, sondern nach unten in den Wohnraum drücken.
Was bei alten Kachelöfen besonders zu beachten ist
Viele Kachelöfen in deutschen Häusern sind 30, 40 oder sogar über 50 Jahre alt. Das bedeutet nicht automatisch, dass sie schlecht funktionieren – oft ist das Gegenteil der Fall. Aber mit dem Alter verändert sich das Geruchsverhalten.
Der Lehm in alten Öfen hat über die Jahre viel aufgenommen: Rauch, Holzbestandteile, möglicherweise auch Feuchtigkeit aus Perioden, in denen der Ofen wenig genutzt wurde. All das kann sich bei Wärme bemerkbar machen, ohne dass irgendwas technisch defekt wäre.
Ein typisches Muster: Der Ofen wird im Oktober nach dem Sommer das erste Mal wieder angeheizt. Die ersten ein, zwei Heizvorgänge riechen etwas seltsam – erdig, leicht rauchig, manchmal auch ein bisschen muffig. Nach dem dritten oder vierten Mal ist der Geruch weg. Das ist bei alten Kachelöfen keine Seltenheit und kein Grund zur Sorge.
Anders verhält es sich, wenn der Geruch dauerhaft bleibt, sich verstärkt oder plötzlich chemisch oder scharf wird. Das deutet auf veränderte Materialien hin – zum Beispiel auf eine beschädigte Dichtung oder auf Verunreinigungen im Feuerraum.
Was man selbst tun kann
Vor dem ersten Heizen im Herbst lohnt es sich, die Kacheln gründlich abzuwischen und die Fugen kurz zu inspizieren. Sichtbare Risse oder bröckelige Stellen sind ein Zeichen, dass der Ofen etwas Aufmerksamkeit braucht.
Wenn der Geruch beim Anheizen entsteht und nach wenigen Heizdurchgängen wieder verschwindet, ist das meistens harmlos. Wer den Geruchsabsorber im Wohnzimmer zusätzlich einsetzt, kann die Übergangsphase angenehmer gestalten – gerade wenn der Ofen in einem oft genutzten Raum steht.
Bleibt der Geruch länger oder wird er intensiver, sollte man die Dichtungen prüfen. Beim Kachelofen lässt sich das oft an der Zugtür oder am Aschekasten erkennen: Wenn dort Asche oder Ruß an den Rändern zu sehen ist, zieht es an der Dichtung vorbei.
Der Geruch selbst – egal ob erdig, rauchig oder leicht muffig – ist meistens kein Alarmzeichen. Er ist eher ein Zeichen, dass der Ofen Zeit braucht, um wieder auf Betriebstemperatur zu kommen und alte Ablagerungen abzubrennen. Kachelöfen sind langsame Geräte. Das gilt auch für ihre Geruchsentwicklung.

Thomas Bergkamp ist gelernter Ofenbauer und schreibt auf kamin-riecht.de darüber, wie man Rauch- und Geruchsprobleme am Kamin selbst einordnen und gezielt beheben kann.